ZeitTunnel. „2000 Jahre Köln im Spiegel der U-Bahnarchäologie“

Museumsbesuch des Freundeskreises im Röm. German. Museum in Köln, am 16.11.2012

Der Titel der Sonderausstellung ZeitTunnel verhieß Geheimnisvolles. Ein Grund, der auch die Mitglieder des Freundeskreises Römerkanal zu einer Fahrt nach Köln verlockte.
 
Dr. Alfred Schäfer, einer der leitenden Archäologen des Römisch-Germanischen Museums, erläuterte in einer atemberaubenden Rückschau die 10-jährigen Arbeiten der U-Bahnbauer und Wissenschaftler, die bei präzisester Planung sich nicht gegenseitig stören durften.
 
Zunächst einmal wurde die gesamte Trasse von etwa 4 km Länge zum Bodendenkmal erklärt; d.h. die Archäologen bekamen grundsätzlich Vorrang vor jeder Bauarbeit.
 
Interessant für die Archäologen aber sind nicht die Tiefen von 20 Metern, wo die Tunnelröhren verlegt wurden, sondern die Grabungen praktisch unter dem heutigen Straßenniveau von 2 -13 m Tiefe. Vor allem  das Rheinhafengelände in antiker Zeit, dass also dem heutigen Gelände – Breslauer Platz -Kurt-Hackenberg-Platz über Alter Markt, Heumarkt entspricht, versprach interessante Aufschlüsse. Und so ging man natürlich an den  geplanten Haltestellen, Technikräumen, Versorgungs- und Anfahrschächten mit hinunter in die Erde.
Unglaubliche Zahlen dokumentieren heute die Grabungsbefunde:
Untersucht wurden 150.000 cbm Erde auf einer Fläche von ca. 1 qkm, gefunden wurden zweieinhalb Millionen Einzelstücke aus 2000 Jahren Kölner Geschichte. Gebäudereste wurden vermessen und gezeichnet, Münzen, Waffen und Scherben zu finden, scheint für Hobbyarchäologen verständlich; dass aber auch Pollen, Getreidereste, Obstkerne und Tierknochen für die Wissenschaft interessant sein können, wird erst auf den zweiten Blick verständlich, weil man auch hieraus manche Rückschlüsse auf Lebensumstände, Transportwege und soziales Verhalten Tieren gegenüber ziehen kann.

In einem Sonderraum des Museums konnten nur einige Stücke gezeigt werden, aber diese machten schon Appetit auf noch mehr. Wo bekommt man schon den Schädel eines Wollnashorns als Hackklotz eines Metzgers zu sehen; wo bekommt man gezeigt, dass das Nadelholz Schwarzwälder Tannen  beim Stadtmauerbau zum Verschalen gedient hat und zugleich etwas über das Gründungsalter der Kölner Stadtmauer verrät: Es war frühestens das Jahr 89 n.Chr. und nicht, wie man früher geglaubt hat, zeitgleich mit der Verleihung der Stadtrechte der CCAA im Jahre 50 n. Chr. Die Römerkanalfreunde interessierte auch, wie die Wasserversorgung und Abwässerentsorgung funktionierte; auch hier geben die Austritte aus der Stadtmauer Auskunft. Wer Lust hatte, konnte am „Wühltisch“ sozusagen aus dem Haufen an Gebrauchskeramikscherben, Tierknochen, Muscheln, Steinen etc. die eine oder andere kleine Herkunftsgeschichte zu enträtseln versuchen.

Ganz zu schweigen von den Funden aus mittelalterlicher Zeit, aus den späteren Jahrhunderten bis ins neunzehnte hinein!  Man glaubt es dem Führer, der aufgrund der Funde eine solche Fülle von Themen „bespielen“ könnte, die noch manchem Vortrag zum Ruhme gereichen könnte.

Diese Aussage  nahm der Vorsitzende, Lorenz Euskirchen, zum Anlaß, Herrn Dr. Schäfer nicht nur für seine fast 2-stündige Führung (!) zu danken, sondern ihn auch mit dem Wunsch entließ, vielleicht im nächsten Jahr noch mehr von der Wunderwelt der U-Bahn-Archäologie aus seinem berufenen Munde zu vernehmen.

Rheinbach, den 16.11.2012
Text & Fotos:Rolf Greiff
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