IMMER DER LEITUNG NACH
Eine Radtour rund um Rheinbach

Am 26.5. war es mal wieder soweit: War es das schöne Sommerwetter oder war es in den Presseorganen gut platzierte Werbung?- , der 2. Vorsitzende, Rolf Greiff, konnte an diesem Samstagmorgen eine 20-köpfige  Gruppe erwartungsfroher Gäste begrüßen.

Diese Tour sollte unter 2 Aspekten stehen:
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Nach einer kurzen Einführung in die historischen Zusammenhänge um die Notwendigkeit einer zusätzlichen Wasserversorgung für das antike Köln, das seit seiner Stadtgründung im Jahre 50 n. Chr. stetig gewachsen war und als Hauptstadt von Niedergermanien mittlerweile eine Einwohnerzahl von 20.000 Menschen besaß, führte der Weg über die Münstereifeler Straße  praktisch über dem Kanalverlauf durch die Bahnhof- und Kriegerstraße.

Nicht nur die im Pflaster des Bürgersteigs eingelassenen Bronzeplatten wiesen die Fließrichtung auf, sondern auch das am Verkehrskreisel (Villeneuve) aufgestellte Kanalstück war schon ein erstes Zeugnis für die reale Existenz der Wasserleitung, die quer durch Rheinbach verlief.

Die Gruppe bestaunte im Keller eines Hauses auf der Kriegerstraße sogar ein Stück des Kanals in Form einer Seitenwange. Sichtbar war der Stolz der alten Hausbesitzerin, deren Großeltern das Haus in den Jahren 1907-09 gebaut und nie mit dem Gedanken gespielt hatten, dieses „Hindernis“ beim Bau des Kellers zu entfernen. (Oder war es nur die unglaubliche Härte des „opus caementicium“, die sich einem Abbau enorm widersetzt hätte?)

Über die alte Rheinbacher „Fuulkuhl“ ( Hinweis auf das „anrüchige“ Gewerbe Rheinbacher Gerber – heute treffsicher „Römerkanal“ – gelangte man zum zweiten Kanalstück, das ebenso wie das  o.e. Teil als  willkommener Fund  von gut 13m Länge während  der Erschließung des Industriegebiets Nord sichtbar gemacht werden konnte. Dieses deutete auch in seiner Richtung auf den weiteren Verlauf der Wasserleitung Richtung Heeg entlang der Bahngleise.

am Verkehrskreisel (Villeneuve)

Eine völlig unterschiedliche Bauweise eines Kanalstücks wurde am Bhf.  Rheinbach Römerkanal als gut sichtbares Erkennungszeichen wahrgenommen. Dieses Stück stammt allerdings aus der Mechernicher Gegend, war ursprünglich vor dem Rheinischen Landesmuseum aufgestellt und hatte nach seiner dort nicht mehr gewünschten Verwendung jahrelang im Depot des LVR- Amtes für Rheinische Bodendenkmalpflege in Meckenheim einen Dornröschenschlaf verbracht, ehe es dann vor gut 3 Jahren seinen heutigen Standort nach einigen Hindernissen bei der Translozierung fand.

Weiter ging es in die Swisttalaue zum errechneten Anfangspunkt und zum Ort des letzten Betonpfeilers des das Tal überwindenden Aquädukts. Die dort aufgestellten Hinweistafeln- wie übrigens die gesamten Fundstellen am Römerkanal von der Eifel bis Köln trefflich kommentieren und die Handschrift des wohl sachkundigsten Experten., Prof. Dr. Klaus Grewe, verraten - lieferten zu den Erklärungen des Führers auch noch wichtige technische Einzelheiten und Bildmaterial.

Der am Ortseingang von Lüftelberg aufgestellte Aquäduktbogen verhilft in seiner Rekonstruktion anschaulich jedem Interessierten lebendige Anschauung, hat aber leider nur den Makel, dass seine Ausrichtung nicht der Trassenführung nach Buschhoven entspricht.

St. Peter in Lüftelberg war nicht nur einen Besuch des Innenraumes der Kirche wert, weil in dieser Umgebung die Verehrung der Hl Lüfthildis durch die Gemälde, ihre Tonskulptur und ihrer im Altarraum verwahrten sonstigen Devotionalien sinnfällig wird. Ihre sterblichen Überreste waren zunächst in einem Sarkophag im Mittelgang der Kirche aufbewahrt, bis man ihn in einer angebauten Kapelle unterbrachte. Das Prunkstück des Sarkophags war eine Grabplatte, die aus Aquäduktmarmor stammte und heute in der Seitenkapelle zu besichtigen ist. Leider ist diese in warmem Bronzeton polierte Grabplatte nicht in der Fließrichtung der Wasserleitung an der Wand befestigt, sondern senkrecht, was den Besucher dazu zwingt, sich etwas den Kopf zu verdrehen, um eine korrekte Vorstellung der ursprünglichen Lage der Seitenwange zu gewinnen.

Teilstück an der Haltestelle Römerkanal

A-Bogen M

Aquäduktbogen bei Lüftelberg

Von dort ging es nach Buschhoven, wo der durch den Ort führende Kanalweg recht deutlich im Straßenbild sichtbar gemacht wurde. Ein 3m tiefer Einstiegsschacht in die Wasserleitung machte allein schon durch seine idyllische Lage mitten im Biergarten des Restaurants „Am Römerkanal“ staunen. Hineinsteigen wollte aber keiner, man verließ sich auf die Aussage des Gastwirts, der als kleiner Junge noch durch den Kanal so etwa 20m gekrochen sein will, aber dann sich nicht weiter getraut habe.

Bevor die Gruppe in den Kottenforst hineinradelte wurde der durch liebevolle Restaurierung noch augenfälliger gewordene Kanalaufschluss bewundert. Der Wald bot nun willkommenen Schatten, ein Ausbruchgraben machte noch klar, wie viel Mühe es erfordert hatte, den Kanal seit dem Mittelalter als willkommenen Steinbruch neu zu verwenden. Könnte man, so ein Teilnehmer, diese Maßnahme als eine damalige Art von „Recycling“ verstehen?

Gut Schillingskapellen M

Gut Schillingskapellen

Nach einer Rast am „Eisernen Mann“ führte die Fahrt zum Gut Schillingskapellen, dem heutigen Sitz der Familie von Boeselager. Ab dem 13. Jahrhundert stand hier ein Nonnenkloster, dessen Gebäude fast ausschließlich aus Abbruchmaterial des Römerkanals errichtet wurde. Das besonders Sehenswerte waren natürlich die Tuffbogensteine des Aquädukts, die im Kreuzgang des Klosters verbaut worden waren und ein fast vollkommenes Abbild des Aquädukts liefern könnten, wenn auch noch die Abstände der einzelnen Bogenstellungen gestimmt hätten. Frau von Boeselager führte uns noch persönlich auf die Hinterseite des Hauses, an deren Front man zuhauf die eingebauten Steine mit der charakteristisch roten Einfärbung des „opus signinum“ sehen konnte.

Zur letzten Besichtigungsstätte, der Kirche „St. Petrus und Paulus“in Odendorf, war noch eine Strecke von 10 km zurückzulegen, die bei der Fahrt über freies Feld bei den sommerlichen Temperaturen noch einige Kondition abverlangte, aber dennoch diesen Abstecher wert war. Denn an dieser ursprünglich Romanischen Kirche, die zu dem nebenan gelegenen Klostergehörte, war auch noch bemerkenswertes Material zu sichten: Tuffsteine, die als Abdeckung für den Aquädukt gedient hatten, waren an den Ecken eingesetzt, ein Ablassbecken aus dem Sanctuarium ragte aus dem Mauerwerk der Kirche hinaus, das aus dem Sintermaterial geschaffen worden war. Wenn man den Blick nach oben richtete, waren noch römische Ziegel kunstvoll als Zierrat der Außenwand zu erkennen, einige erkannten auch noch besondere Spolien, von denen eines sogar noch eingravierte Buchstaben, wahrscheinlich von einem nicht mehr genutzten Grabstein des um die Kirche liegenden Friedhofes stammend, aufwies.

Nach der Rückfahrt wurden in Rheinbach noch abschließend  Spuren des Abbruchmaterials an der Rheinbacher Burg und am Wasemer Turm gesichtet und zum Schluss noch auf das an der Post befindliche Kanalstück aus Mechernich Breitenbenden verwiesen und die Diskrepanz der Datierung erklärt, die im Gegensatz zur mittlerweile nachgewiesenen Bauzeit um  80 - 90 n. Chr. die Entstehungszeit erst im 2. Jhdt. n.. Chr. beginnen lässt.

St.Peter M

St. Petrus und Paulus

Ein lange 6-stündige Tour fand nun ihren Abschluss, alle Tourteilnehmer waren hellauf begeistert, manche gestanden sogar ein, dass sie durch diese Tour jetzt erst Erkenntnisse über die Nachwirkung der Antike und des Mittelalters in ihrer unmittelbaren Heimat hatten verinnerlichen können.

Will man mehr?

                                                                                                                         Rheinbach, den 27.5.2018 
Rolf Greiff

Immer der Leitung nach

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