Mainz – Saalburg – Limes

Bericht einer Exkursion vom 25. - 26.05.2013

Dass man in der Hochzeit des Wonnemonats Mai  nicht unbedingt  mit unangenehmer Kälte und stundenlangem Regen rechnen mußte, war für alle 26 Teilnehmer bei der diesjährigen Exkursion auf den Spuren der Römer im damaligen Obergermanien eigentlich eine Tatsache, über die auch der Organisator der Tour bei der Planung nicht großartig nachgedacht hatte.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – so machten wir uns trotz schlechter Wetterprognose auf die Reise, nicht zuletzt auch deswegen, weil auch Wetterfrösche manchmal irren. Und wir schienen Recht zu behalten:

Strahlender Sonnenschein empfing uns bei  unserem ersten Halt in Rheinbrohl. Bei der liebevollen Neugestaltung des Limeswanderwegs war ein römischer Wachtturm als „Caput Limitis“ Anfangspunkt des einmaligen  obergermanisch-rätischen Limes in die Landschaft gestellt worden.

Beim Frühstück, das unser Busfahrer Johannes Nücken von unserem  bewährten Busunternehmen Jablonski aus Kirchsahr aufgebaut und kredenzt hatte, erfuhr die Gruppe Wissenswertes über den Grenzwall zwischen Roms Imperium und dem Freien Germanien. Seine beeindruckende Länge von 550 km, aufgeführt von Rheinbrohl bis Eining an der Donau erstreckte sich über die heutigen Bundesländer Rheinland- Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Ungefähr 120 größere oder kleinere Kastelle – wie auch hier in Rheinbrohl dienten zur Bewachung und Kontrolle von Personen und Einfuhr oder Ausfuhr von Waren. Erbaut am Ende des 1. Jahrhunderts hatte diese Grenzanlage bis zur Überwindung des Limes im Jahr 260 n. Chr. eine – obwohl es paradox  erscheint – dennoch völkerverbindende Funktion. Denn diese Grenze zeigte den Barbarenvölkern die Macht und Größe Roms, mit denen Handel zu treiben wohl sich eher lohnte, als einen Krieg mit ungewissem Ausgang zu führen. Diese Meinung kehrte sich allerdings dann - wie wir alle wissen - um, als Rom eben nicht mehr in der Lage war, seine Zähne nicht nur zu zeigen, sondern auch zubeißen zu lassen.

Gegen Mittag erreichten wir  Mainz. Vor der Stadtführung nahmen wir die Gelegenheit wahr, den beliebten Mainzer Wochenmarkt zu durchschlendern und die Reichhaltigkeit des Angebots zu bestaunen. Die Führung hatte ein Historiker, Herr Dr. Rettinger, übernommen, der über die Baugeschichte des Mainzer Domes hinaus sich einer speziellen Betrachtung der Grabplatten und Grabmäler innerhalb der Kirche widmete und  anhand dieser Fakten zu einer ausgezeichneten historischen Abhandlung über die Bedeutung von Mainz als Sitz eines kurfürstlichen Erzbischofs gelangte. Auch außerhalb des Domes - aber immer noch in seinem Dunstkreis -  machte er auf viele Details aufmerksam, die durchaus auch die neuere Geschichte umfaßte. Leider konnte das Gutenberg-Museum als ein weiteres lohnendes Ziel nur erwähnt bleiben, aber die zwei Stunden der Führung waren schon wie im Fluge vergangen.

Er äußerte mehrmals sein Bedauern darüber, dass es in Mainz unglaublich schwierig sei, durch Grabungen auf dem historischem Kern der Altstadt in die Zeit der Römer und Franken einzutauchen; es gäbe z. Zt. leider kein Bauvorhaben wie in Köln mit dem U-Bahnbau.

Eine Weinprobe in Mainz Hechtsheim im Zehnerhof leitete den Abend ein, das gastliche Weinhaus Wilhelmi mit einem der Jahreszeit  angepassten Menü beschloß ihn.

Am Sonntag begann der Himmel, seine Schleusen nun wirklich zu öffnen. Relativ problemlos war noch der Besuch des Museums für Antike Schifffahrt. In der ehemaligen Großmarkthalle der Altstadt sind die 5 Schiffswracks, die man 1981/82 anläßlich der Ausschachtung für das Hilton-Hotel im ehemaligen Rheinhafen im Schlamm versunken gefunden hatte, untergebracht. Zwei von ihnen sind als Modelle völlig neugebaut und im Maßstab 1:1 in der fast 50m langen Halle aufgestellt worden. So erfuhren wir Besucher Wissenswertes über Bau- und Einsatzweise verschiedener Schiffstypen. Das erste Modell zeigte ein Militärschiff, das von 30 Flottensoldaten gerudert wurde. Es wies eine Gesamtlänge von 21,6m auf. Es gab an Bord auch eine sog. Treibbesegelung, die nur beim Fahren vor dem Wind  die Vorwärtsbewegung sinnvoll unterstützte. Das andere Schiff war multifunktional einsetzbar, dafür aber wegen seiner gedrungeneren Form(auch nur etwa 17m lang) nicht so schnell. Es hatte ein Deck, das Lasten aufnehmen, aber auch Personen befördern konnte. Man erfuhr auch eine Menge über die Menschen, die als Flottensoldaten eingesetzt und für ihre lange Dienstzeit (27 Jahre in der Spätantike) mit der Annahme des römischen Bürgerrechts belohnt wurden.

Die Besichtigung der imposanten Aquäduktreste auf der Unteren Zahlbachstraße mit ihren 58 erhaltenen Stümpfen gestaltete sich als eine mehr oder minder schnelle Regenschirmparade.  Die Bauwerkruinen hätten durchaus einen längeren Besuch verdient; denn immerhin sind diese Reste als die bedeutendsten im Norden Europas  anzusehen, (Hätten wir doch in in Rheinbach von unserem Aquädukt den einen oder anderen Bogen auch erhalten!)
Der Aquädukt  versorgte das Legionslager auf dem Kästrich mit einem etwa 7 km langen Hauptkanal von Finthen aus.Er wurde unterirdisch geführt bis zum Erreichen des Zahlbachtales, wo eine Höhe von teilweise 25 m erreicht werden mußte, um die Gefällelinie zu halten.Sichtbar für uns heute ist eigentlich nur noch der „Rohbau“ mit

dem typischen opus caementicium; die Außenschale mit vermutlich glatt zugehauenen Kalksteinen war im Mittelalter ein begehrtes Mittel zum  Bau von Kirchen und herrschaftlichen Häusern geworden. Auch die samt und sonders eingestürzten Bögen sind offensichtlich dem Steinraub zum Opfer gefallen, ein Schicksal, welches das fast völlige Verschwinden unseres Aquäduktes noch verständlicher werden läßt. Wie gut, dass wir wenigstens einen guten Teil in unserer Umgebung wiederfinden können! Denken wir nur an Gut Capellen in Dünstekoven oder an die Spuren in den Rheinbacher Türmen.

Den Gipfel der Trostlosigkeit des Wetters erreichten wir ausgerechnet  an der Saalburg bei Bad Homburg v.d.H. Ich zweifele, ob der Legionär vor knapp 1800 Jahren die Nase freiwillig aus den Mannschaftsunterkünften angesichts des Bindfadenregens gesteckt hätte. Nun – uns blieb nichts anderes übrig, - tapfer erkundeten wir das weitläufige Gelände dieses großen Limeskastells, das in seinen besten Zeiten  mindestens eine Kohorte als Dauerbesetzung erlebt hatte. Das Lager hatte sogar ein Bad und ein eigenes Mithräum, eine Weihestätte für den bei den Soldaten des Kaiserreiches sehr beliebten Gott Mithras.
Beliebt bei uns allen wurden bald die Centuriae – die Mannschaftsbaracken. Kein Wunder; denn dort gibt es heute es ein kleines Restaurant, das mit Originalrezepten römischer Küche dem durchnäßten Besucher  wenigstens Gaumenfreuden erfüllte.
Was wir noch nicht wissen konnten, dass mit unserer letzten Besuchsstätte in Pohl  bei Bad Ems ein Highlight auf uns wartete. Der Verfasser gibt gerne zu, dass er noch nie vorher  etwas von der Existenz diese kleinen Ortes und seiner Bedeutung gehört hatte. Pohl ( an der Bundesstraße 260 ) war ein Standort für ein kleineres Limeskastell (Numeruskastell) für ca. 150  Soldaten. Das ist zunächst nichts Besonderes. Aber was die rührige Ortsgemeinschaft  zur Verwirklichung eines  originalgetreuen Nachbaues  des Limesturmes und des Mannschaftslagers beigetragen hatte, verdient höchste Bewunderung.Die engagierten Führer in  Person des Bürgermeisters, Herrn Crezelius, und eines pensionierten Lehrers; Herrn Daniel Parebo, erklärten haargenau die einzelnen Schwierigkeiten, um bei den Aufträgen an die Handwerker mit Hilfe der  Archäologen dem Original möglichst nahe zu kommen, und andererseits bauaufsichtliche Bedenkenträger zufrieden zu stellen.
 Die Ausführung mit der Liebe zum exakten Detail verschlug einem doch die Sprache: Baunägel und Beschläge mußten extra angefertigt, Fensterglas für die Fenster nach alter römischer Fertigungstechnik hergestellt werden, in Fachwerkbauweise aus Holz, Lehm und Stroh Wände erstellt und  Eichenholz zur Verkleidung der Limestürme geschnitten, weiß gestrichen und hinterher mit roten Fugenstrichen versehen werden, um den Germanen damals die Illusion zu verschaffen, dass diese Türme  aus steinernen Riesenquadern gebaut waren.
Im Contubernium, dem Schlafraum für 8 Legionäre, lagen Betten, Mäntel, Mahlmühle und Korn bereit, im Raum davor waren Waffen und Kettenpanzer aufgereiht – man hätte erwarten können, dass jeden Moment die Legionäre von einer Einsatzbesprechung  zurückkämen. Kurz: Nichts war zufällig, alles sorgfältig rekonstruiert, das Schreibzeug lag im Museum einsatzbereit, Glimmwolle und Feuersteine warteten auf ihre Verwendung.

Uns Besuchern hatte die Illusion römischen Lagerlebens so gut gefallen, dass aus der geplanten einstündigen Führung geschlagene zwei wurden. Unser Fahrer tat uns zwar leid, der schon mit einer früheren Rückfahrt gerechnet hatte. Aber eine angemessene Aufstockung seines „Obulus“ hat ihm auch gut getan.

So waren wir alle bei unserer Rückkehr gegen 20:00 Uhr zufrieden

Rolf Greiff am 27.5.2013

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