Metz

Bericht einer Exkursion vom 16. - 18.10.2015

Die Hauptstadt des Départements Moselle in Lothringen  und die Erkundung der Umgebung war in diesem Jahr Ziel unserer Exkursion. Sicher war jedem der 34 Reiseteilnehmer die wechselvolle Geschichte der Stadt seit der Antike, dem Hochmittelalter, vielleicht auch ihre Rolle in den unseligen deutsch-französischen Auseinandersetzungen des 19. und 20. Jahrhunderts mindestens in Grundzügen bekannt. Aber es ist immer etwas Besonderes, am Ort selbst die wechselvollen Abläufe mit Hilfe kenntnisreicher Führung  kennen zu lernen oder gar zu vertiefen. Am wenigsten bekannt dürfte eigentlich die römische Zeit gewesen sein.

Reisegruppe-Metz
Kathedrale St. Etienne

Und gerade dieser Epoche widmete sich unsere kompetente Führerin besonders liebevoll und detailreich. Auslassen müssen wir aus Platzgründen  den Bericht über eine  intensive Führung durch die Kathedrale St. Etienne mit ihren 6500 qm umfassenden Fensterflächen, unter ihnen die berühmten des russischen Malers Chagall, der seinen Teilauftrag, die durch den  2. Weltkrieg zerstörten Fenster neu  zu gestalten, in intensivsten Farben und symbolträchtigen Themen glänzend gemeistert hatte. Übergehen müssen wir auch die Zeugnisse aus dem  1. Weltkrieg auf unserer Fahrt nach Gorze, auch das Kirchlein "la chapelle Sixtine Lorraine" in Sillegnydas als einziges Bauwerk  des sonst zu 90% zerstörten Dorfes überstanden hatte. Der Innenraum, an Wänden und Decke mit Freskomalereien aus dem Jahr 1540 liebevoll verziert, hätte auch ein eigenes Referat verdient.

Konzentrieren wir uns auf die Themen, die den Freundeskreis überhaupt auf die Idee gebracht hatte, den Raum Metz zu besuchen. Die Ausstellung „Wasser für Roms Städte“ in Zülpich, Köln und bald in Xanten lieferte den Anlass, sich auch darüber zu informieren, wie die römische Stadt Metz (Divodurum Mediomatricorum) die Wasserversorgung gemeistert hatte. Zu diesem Zweck fuhren wir ins Umland. Etwa 20 km südlich von Metz trafen wir bei Jouy-aux-Arcs auf einen sehenswerten Aquäduktrest, der in  ca.20m Höhe die Durchgangsstraße überspannte und zum Wasserverteiler führte. Auffällig war, dass der Aquädukt zwei Wasserrinnen besaß, die 25cm breiter angelegt waren als in den unterirdischen Abschnitten. Das Leitungsgefälle an dieser Stelle betrug 1,5 m/km (statt des üblichen 1m/km), wohl um durch die Erhöhung der Laufgeschwindigkeit bei strengen Wintern ein Gefrieren des Wassers zu verhindern. Weil man aber einen höheren Verschleiß der Leitungswände riskierte, war wohl diese Maßnahme nötig, um bei Reparaturen  immer eine Rinne für die Wasserversorgung aufrechterhalten zu können.
Aquäduktrest bei Jouy- aux- Arcs
Die Leitung selbst war innen bis zu 90cm Höhe mit dreieckigen Ziegelplatten und ganz dünnen Fugen gemauert. Außerdem versah man die Wände und die Sohle mit einer Ziegelmörtelschicht, um Wasserverluste zu vermeiden. Diese  doppelte Leitungsführung konnten wir sehr gut am Eingang des Umlenkbeckens sehen und auch die Vorrichtungen für die Schieber, die den Wassserdurchlaß- wenn nötig- versperren konnten.
 
Noch beeindruckt von dieser für den römischen Wasserleitungsbau einzigartigen Problemlösung, besichtigten wir am nächsten Tag das Museum Cour d`Or in der Stadt selbst. Auf den Fundamenten und Reststücken einer römischen Thermenbades stehend, bot das Museum eine Fülle von großartigen Fundstücken, die aus dem ganzen Bereich von Metz  stammten. Hervorzuheben neben Zeugnissen von der Badekultur sind gut erhaltene Grabdenkmäler, Votivsteine, eine phantastische  3m hohe Szenerie mit der Darstellung des auf einem Stier sitzenden Mithras und eine ebenso prachtvolle Säule, auf deren Spitze sich der Göttervater Zeus  im Kampf mit den Giganten  eindrucksvoll erhebt. Dieses Museum würde sicher noch mehr Beachtung finden, wenn die Beschriftung der einzelnen  Schaustücke nicht nur in der Landessprache vorgenommen wäre. Auch ein Katalog der Ausstellung in deutscher Sprache würde sicher Abnehmer finden.
Metz

Auf der Heimfahrt hatte unser rühriger Reiseleiter, Herr Peter Lahl, wieder ein kleines Abschiedsbonbon eingepackt. In Dillingen an der Saar gibt es ein kleines, aber feines Museum im Stadtteil Pachten, das die Geschichte des Vicus Contiomagus, einer  Siedlung am Schnittpunkt zweier wichtiger Straßen (Metz–Mainz und Trier–Straßburg) im gallo-römischen Raum recht lebendig wiedergibt. Ironie des Schicksals: das Kastell, das das römische Reich vor den Barbaren schützen sollte, und ein gut zu sehender Teil des Westwalls liegen heute im Park von Pachten einträchtig vor unseren Augen. Beide militärischen Bauten haben letztlich nicht ihren Auftrag dauerhaft erfüllen können.

Kastell Pachten

Beinahe vergaß ich noch, den ersten Anlaufpunkt unserer Reise zu erwähnen. Auf der Hinfahrt durch Luxemburg hatten wir Gelegenheit, das Pumpspeicherwerk in Vianden in einer ausführlichen Führung zu besichtigen. Es ist das größte Werk seiner Art in Europa und wahrlich auch ein europäisches Gemeinschaftswerk unter der Führung Luxemburgs. Es umfasst einen Stausee an der Our,  zwei Oberbecken, eine unterirdische Kavernenhalle und ein System von Druckrohren. Zum einen wird in verbrauchsschwachen Zeiten- z.B. nachts- Wasser in die Speicher hochgepumpt, um bei Energiebedarf in die Turbinen eingespeist zu werden. Diese erzeugen dann  mit Hilfe von Generatoren durch die Wasserkraft Strom für den Bedarf in Spitzenzeiten. Die Steuerung des Verbrauchs wird durch die RWE in Essen vorgenommen. Im Laufe der über zweistündigen Führung wurde allen klar, wie wichtig auch das Wasser als natürliche Ressource für den Strombedarf unserer Breiten ist.

Der Sonntagabend war für alle das Ende einer langen Reise in Vergangenheit und Gegenwart der Wasserversorgung einer komfortsüchtigen  Gesellschaft. Die Antike  hatte schon interessante Lösungen anzubieten, in unserer Zeit. überschlagen sich geradezu die Techniker  mit immer wieder neuen Ideen, wie man die Sonnenenergie und Erdwärme noch als willkommene Ergänzung nutzbar machen kann, wenn man schon ganz auf Atomstrom und fossile Energieträger wie Erdöl und Kohle verzichten will.

Die Mitfahrer des Freundeskreises waren wieder einmal von der perfekten Organisation, der Hotelwahl und der Qualität der leiblichen Fürsorge begeistert.  Der Vorsitzende, Herr Lorenz Euskirchen, dankte dem Reiseleiter und Vorstandsmitglied, Herrn Peter Lahl, ausdrücklich und wünschte ihm weiterhin eine glückliche Hand bei der Auswahl der nächsten Ziele, wobei das im folgenden Jahr anstehende Reiseziel mit dem Besuch von Regensburg schon feststeht und auch schon eine genügend große Anzahl von Teilnehmern sich angemeldet hat.

Rheinbach, den 21.10.2015
f.d.R. Rolf Greiff
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