Der Dornröschenschlaf des Eifelmarmors

Exkursion des Freundeskreises Römerkanal vom 19.- 22.5. 2017

Dass der Aquäduktmarmor, gewonnen aus der antiken römischen Wasserleitung von der Eifel bis Köln, in unserer Region wohlbekannt ist, verdanken wir in erster Linie der fast vierzigjährigen Forschung von Prof. Dr. Klaus Grewe und der unterstützenden Öffentlichkeitsarbeit durch den „Freundeskreis Römerkanal“.

Die jährlichen Exkursionen gingen fast immer der Frage nach, wie das Problem der antiken Wasserversorgung in anderen Gegenden gelöst wurde. Die diesjährige Reise war der Suche nach Spuren des Abbauproduktes Kalksinter gewidmet.Die Eifelwasserleitung war nur etwa 190 Jahre in Betrieb und stand seit dem Ende des 3. Jahrhunderts als nahe gelegener Steinbruch für Bauvorhaben zur Verfügung. Den Rheinbachern ist bekannt, dass die Burg, Stadtmauer und Wasemer Turm aus großen Mengen der römischen Wasserleitung gebaut sind. Ab dem 11.-13. Jahrhundert hatte sich eine rege Bautätigkeit für Klöster, Kirchen und Burgen entwickelt. Dadurch wurde aber noch ein Nebenprodukt interessant.

Denn die Kalksinterablagerungen in der Leitung hatten teilweise eine Stärke von gut 30 cm und einer Höhe von bis zu 50 cm entwickelt. Mit dem vorsichtigen Abbau dieses Sinters erzielte man durch Schleifen, Drehen und Polieren einen je nach Färbungsgrad grauen bis rötlich getönten Marmor, der sehr gern zur Ausschmückung von Kirchen und Burgen als Altarplatten oder Ziersäulen genutzt wurde.

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Klaus-Grewe

Prof. Dr. Klaus Grewe

Reiseteilnehmer

Die Teilnehmer dieser Reise suchten entlang des Hellweges und in den bekannten Kirchen, Klöstern und Burgen nach eben diesen marmornen Kostbarkeiten. In Essen-Werden erklärte die Führerin kenntnisreich das ehemalige Benediktinerkloster mit dem Grab des hl. Liudger mit Krypta und Schatzkammer. In dieser befanden sich auch unsere gesuchten Zeugnisse: Zwei etwa 1,50 m hohe Säulen standen dort in diffusem Licht, beschriftet als „Kalkstein“. Der hohen Bedeutung dieser Säulen als Stützen des Prunkschreines vom Heiligen Liudger wurde aber die Präsentation nicht gerecht. Prof. Grewe zeigte sich sehr enttäuscht, wie wenig Pflege man diesen Säulen aus dem 11. Jahrhundert zugutekommen ließ und bekehrte die Führerin, bei weiteren Gästeführungen auf die Besonderheit dieses Aquäduktmarmors hinzuweisen.

Zwischenstation auf der Weiterreise waren Salzkotten und Boke. Es war nicht der Führung geschuldet, dass die Erklärungen der Solequellen, des Brunnenhauses von 1554 und der Verwendung vom Solesinter für den Häuserbau und Kirchen kürzer als gewohnt ausfielen: strömender Regen erschwerte die Aufmerksamkeit der Zuhörer doch sehr.

Am nächsten Tag in Paderborn erwartete uns bei einer interessanten Stadtführung mit ihrer wechselvollen Geschichte von 1200 Jahren eine Fülle von über 20 historischen Bauwerken aller Stilepochen.  Herausragend die Kaiserpfalz, in der 799 der Frankenkönig Karl mit dem aus Rom vertriebenen Papst Leo III. das Bündnis schließt, wodurch er im Jahr 800 zum Kaiser in Rom gekrönt werden wird, die Bartholomäuskapelle als älteste Hallenkirche Deutschlands mit ihrer sagenhaften Akustik (von uns gesanglich erprobt!!) und natürlich der Hohe Dom zu Paderborn als beeindruckendes Erlebnis. Der Übergang von der Romanik zur Gotik ist allein schon durch den Bau des 92 m hohen romanischen Turmes und des Kirchenschiffs mit seinen gotischen Fenstern und Maßwerkbögen eindringlich belegt. Aber der auch von uns gesuchte Kalksinter war im St. Liborius Dom vorhanden. Eine Aquäduktmarmorsäule ist im zugemauerten frühgotischen Durchgang zum so genannten Atrium noch zu sehen.

Das ehemalige Augustinerkloster Dalheim in Lichtenau bot einen guten Einblick (,,Der Blick ins Paradies“) in das Klosterleben des 15. Jahrhunderts. Prachtvoll im Barock erweitert, wurde es nach der Säkularisation durch Napoleon zu einem Gutshof umgewidmet, ist aber heute zum Landesmuseum für Klosterkultur liebevoll restauriert. Unsere Gruppe konnte so das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: das angebotene Mittagsmenu war aller Ehren wert.

Burg Dankwarderode

Braunschweig war das nächste Etappenziel mit einem sehr anspruchsvollen Programm: Stadtführung, die Burg Dankwarderode und der Dom erforderten wegen der Fülle der Kunstwerke und historischer Bedeutung dieser Stadt Heinrichs des Löwen höchste Konzentration. Was die Suche nach verarbeitetem Aquäduktmarmor anging, hätte man besonders in der Burg belohnt werden können, wenn nicht die Brandkatastrophe von 1873 fast alle eingebauten Säulen und Platten vernichtet hätte. Bei der hervorragenden Renovierung von 1887-1906 durch Baurat Winter erlebte man sogar eine nochmalige Nutzung des Sinters in der Eifel. Gelinde Enttäuschung bei Prof. Grewe, der uns einige Marmorplatten in zwei Kaminbereichen finden ließ, aber eine geeignete Präsentation und Pflege vermisste. Die Führerin nahm zwar den pflegerischen Hinweis auf, versprach ihn auch weiterzuleiten – aber wer weiß, ob es auch geschehen wird? Leider konnten wir die anderen Prachtstücke in der Kemenate wegen Restaurierungsarbeiten nicht sehen.

Selbst bei der Domführung war eine Wandmalerei Anlasspunkt, auf der dort dargestellten Bogenreihe ein paar Sintersäulen zu vermuten; denn die Malerei zeigte eine an Schlangenlinien erinnernde Maserung auf. Vielleicht wollte so der Künstler auf die Besonderheit dieses kostbaren Materials hinweisen.
Prunkstücke dieses heute protestantischen Domes sind das Grabmal von Heinrich dem Löwen und seiner Frau Mathilde, das Imervard Kreuz mit der Gestaltung des erlösenden Christus ohne Wundmale und Dornenkrone, die Seccomalereien, Marienaltar und ein übergroßer Siebenarmiger Leuchter.
Dom Hildesheim

Noch ein Dom sollte am nächsten Tag in Hildesheim unsere Bewunderung erregen, erregt war aber auch unser Prof. Grewe, denn wir durften noch nicht einmal in die Nähe der phantastischen Mariensäule – natürlich schon von weitem als rötlich schimmernder, gemaserter Aquäduktmarmor auszumachen. Beide Führerinnen weigerten sich strikt, uns in den Altarraum zu lassen! Auch das macht eben den Unterschied von katholischer und evangelischer Sicht der Dinge aus! Wurde so dem Professor die Gelegenheit genommen, mal wirklich ein ganz kostbares Stück edlen Marmors uns vorzuführen, so milderten die Führerinnen durch ihre sonstige hohe Sachkenntnis und Kompetenz ein wenig den aufgekommenen Ärger. Die Suche nach den etwa 20 Aquäduktmarmorsäulen im Obergeschoss des Kreuzganges gestaltete sich als recht spannend, waren wir letztlich doch auf die sachkundige Hilfe von Klaus Grewe und Jürgen Wentscher angewiesen.

War schon der Dom St. Mariä Himmelfahrt eine Augenweide, so setzte der anschließende Besuch in der nicht weit entfernten Michaeliskirche einen grandiosen Schlusspunkt. Sie war ottonischen, vorromanischen Ursprungs und Benediktinerabtei. Der Innenraum der Kirche erinnerte wirklich in der Farbgebung, der Anlage der Gewölbe und Bögen an die maurische Mesquita in Cordoba. Auffallend die bunte Holzdecke, die Chorschranke und eine Christussäule. Die gesamte Architektur zeigt für den Fachmann völliges Gleichmaß für den Ost- und Westflügel. Das strenge kubische System verrät den mathematisch gebildeten constructor, den Abt Bernward, Bischof von 993 – 1022 in Hildesheim. Heute ist die Kirche eine wahrhaft ökumenische Begegnungsstätte. Die Krypta mit dem Grab des Hl. Bernward blieb katholisch, während die Hauptkirche den Protestanten als Gotteshaus dient.

Michaeliskirche

Wie schon gewohnt- oder besser erwartet-, hatte sich der Organisator dieser Tour etwas Besonderes für den Auftakt und das Ende einfallen lassen: Ein Besuch im TIEZ, einer Kleinkunstbühne in Scharmede, gewährte uns einen Abend in bester westfälischer Manier. Der Vortragskünstler und Kabarettist STANI bot einen bunten Strauß seiner auf der Bühne verkörperten Charaktere an, bei der er besonders in seiner Paraderolle als westfälisch-lippischer Schützenbruder zu begeistern wusste. Eine echt westfälische Kartoffelsuppe gab der ganzen Vorführung das entsprechende Kolorit. Eine wahrhaft gelungene Überraschung!

Der Schlusspunkt war wirklich außergewöhnlich. Der Dinosaurierpark in Müncheheide war auf den ersten Blick ein Schock: Sollte tatsächlich mit einem Disneylandevent unser hochkulturelles Gesamtprogramm abgeschlossen werden? Weit gefehlt! Zwei Mitarbeiter des Parks, wissenschaftlich ausgebildete Paläontologen und Präparatoren, zeigten uns auf dem gewaltigen Gelände eines Steinbruchs imposante Spuren von Sauriern aller Art im Gestein, erklärten die Wanderwege ganzer Herden und im Forschungslabor die mühselige Arbeit am Gestein, eben solche Spuren freizulegen und hoch interessante Rückschlüsse auf Größe und Alter anhand von Knochenresten zu ziehen.

Zum guten Schluss einen großen Dank an Klaus Grewe. Er hat mit der Auswahl einiger Ziele, den Spuren nachzugehen, die „seine“ Eifeler Wasserleitung in ganz Deutschland hinterließ, ein unvergessliches Erlebnis für uns Interessierte geschaffen. Aber auch Peter Lahl gebührt ein ebenso großer Anteil an dem Gelingen der Fahrt. Es war dieses Mal gar nicht so einfach, die vielen Anlaufpunkte in verschiedenen Städten zu koordinieren, die richtigen Hotels zu finden und gemeinsame Essen zu organisieren. Das hat alles mit einer von ihm nicht zu vertretenden Ausnahme  hervorragend geklappt. Dr. von Köller hatte durch seine launige Buszeitung wieder einmal für großen Anklang unter den Mitfahrern gesorgt.

Lorenz Euskirchen dankte am Ende der Fahrt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Freundeskreises noch einmal ausdrücklich auch im Namen aller Teilnehmer.

Rheinbach, im Mai 2017
Rolf Greiff
(2. Vorsitzender)
Dinopark
Peter Lahl

Peter Lahl

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Sintertour 2017

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