Freundeskreis Römerkanal 12.05.2016 in Xanten

Die erste Tour in diesem Jahr war dem Besuch des Archäologischen Parks in Xanten gewidmet. Genauer gesagt, die Mitglieder wanderten eigentlich konsequent der erfolgreichen Ausstellung ihres Mitglieds, Prof. Dr. Klaus Grewe, nach, dessen packende Schau „Wasser für Roms Städte“ schon die Museumsbesucher des Thermenmuseums in Zülpich und des Römisch-Germanischen-Museums begeistert hatte. Xantens wunderschönes – fast noch neues- Römer-Museum des Landesverbandes Rheinland bot mit seinen lichten Räumen ein großzügiges Ambiente auch für Grewes praxisbezogene Sonderstücke: konnte hier doch mal wieder in aller Anschaulichkeit die Arbeit der römischen Vermessungsingenieure mit Chorobat, Groma und dem Austafeln vorgeführt werden. Schwieriges einfach zu erklären, diese Fähigkeit liegt dem Wissenschaftler und Techniker besonders; kein Wunder, dass sogar die mitreisenden Damen eine doppelte Messung zur Vermeidung von Fehlern wegen der Erdkrümmung als unbedingt notwendig anerkannten.

Klaus Grewe

Das Konzept der Museumsanlage und seines Inhalts zu erklären, unternahm der stellvertretende Leiter des Museums, Herr Dr. Eger. Über barrierefreie gläserne Rampen führte der geschichtliche Weg  von der keltisch-germanischen Zeit über die Römer die Franken und christliche Epoche mit dem Dom des Märtyrers Viktor und dem Namen der heutigen Stadt Xanten (Ad Sanctos –zu den Heiligen) Alle Fundstücke, die man aus dem Boden geborgen hatte, wurden liebevoll präsentiert, Germanen und Römer sprachen zu den Besuchern über eingespielte Videos, wobei  nicht nur das Militärische den Vorrang hatte, sondern gerade auch das Leben der antiken Stadtbevölkerung der COLONIA ULPIA TRAIANA (CUT) so plastisch wie möglich wiedergegeben wurde. Auf die Idee einer pfiffigen Informationsvermittlung muss man erst mal kommen, wenn man beispielsweise einen Gladiatorenhelm über den Kopf stülpen musste, um den Helm zu uns sprechen zu lassen. (stand da etwa der “sprechende Hut“ in J.K. Rowlings Harry Potter-Romanen Pate?). Oder dass man nach Schätzen erst mal graben musste, um dabei kostbare Gold- und Silbermünzenfunde zu bestaunen: dem interaktiven Museumsbesucher blieb die direkte Sicht auf den Fund solange versperrt, bis er durch Anheben einer Klappe seine Suche von Erfolg gekrönt sah.

Nach drei Stunden unterhaltsamer Belehrung hatte der Organisator unserer Veranstaltung, Herr Peter Lahl, für die Mittagspause ein römisches Essen geordert. Es wurde zwar nicht zu Tisch gelegen, aber die angebotenen Gerichte entsprachen durchaus den Gewohnheiten antiker römischer Kochkunst. Die Gäste ließen sich die ofellas Ostienses - (Ferkelbraten mit Pilzen und Fladenbrot benannt nach Roms Hafenstadt an der Tibermündung Ostia) oder das pullum Numidicum (Huhn nach numidischer Art mit Datteln und Pinienkernen und Lauchgemüse) munden.

Der Espresso nach dem Essen sollte die aufkommende Müdigkeit vertreiben; denn es wartete noch eine Glanzleistung moderner archäologischer Arbeitsweise auf uns. Diejenigen unter uns, die schon im Jahr 2009 die erste Exkursion nach Xanten mitgemacht hatten, werden sich noch erinnern, dass auf dem Gelände des Parks Grundmauern von drei nebeneinanderliegenden Häusern aufgegraben waren, Man hatte die Idee, wenigstens an dieser Stelle dem Besucher ein reales Bild einer Bebauung längs einer der Hauptachsen (ordo decumanus) zu ermöglichen. Hier hatte man ja schon 1982 die Herberge mit Handwerksbetrieben für die Gäste der Stadt erstellt. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite erstand nun das ehrgeizige Projekt, drei nebeneinanderliegende Handwerkshäuser zu rekonstruieren und zwar nur mit den in der Antike verfügbaren Werkzeugen und Materialien. 

Handwerker Haus

Fast 7 Jahre hat diese Arbeit erfordert; sie erfüllte gleich zwei Zwecke: Die Besucher des Parks erhalten eine getreue Information der antiken Lebensweise, und der Archäologe lernt unglaublich aus solch einer realistischen Arbeit, indem er einschätzen kann, wie viel Zeit man für einen derartigen Bau tatsächlich brauchte oder wie die gefundenen Lösungen den Praxistest überstehen würden. Und man kann vielleicht sogar noch Ergebnisse für modernes Bauwesen (z. B. tragfähiges Bauen mit Lehmstrukturen) herausholen. Während einer informationsreichen Führung stellten uns Dr. Peter Kienzle (Bauforscher und Architekt) und Frau Dr. Kathrin Jaschke (Museumspädagogin diese archäologischen Ergebnisse über römische Bautechniken vor.

Ein Tag mit drei Führungen, die durch ihren wissenschaftlichen Hintergrund aus dem Mainstream herausragten und uns Teilnehmer alle forderten, ging zu Ende, wie er begonnen hatte: Bei hellem Sonnenschein mit mediterranen Temperaturen verließen wir die Stadt des Kaisers Traianus und gelangten nach zwei Stunden wieder zu Hause an.

Der Vorsitzende des FK Römerkanal, Herr Lorenz Euskirchen, bedankte sich beim Abschied noch einmal ausdrücklich bei Klaus Grewe und Peter Lahl für die glänzende Vorbereitung der Exkursion.

Rheinbach, den 15.5.2016
Rolf Greiff
(2. Vorsitzender)
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Xanten II

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