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Baustoff-Römerkanal

Mittelalterlicher Steinbruch Römerkanal

Im Hochmittelalter ca. 11. bis 13. Jahrhundert n.Chr. wurde die römische Eifelwasserleitung vielerorts als Steinbruch und Baustofflieferant genutzt um z.B. Burgen, Kirchen und Klöster zu errichten. Dieser mittelalterliche Steinraub lässt sich an vielen Bauwerken aus dieser Epoche noch heute nachweisen. Des Weiteren waren nicht nur die Steine und der Gussbeton (Opus Cementicium) aus römischer Zeit für die mittelalterlichen Bauherren von Bedeutung. Über die Jahrhunderte bildete sich durch das kalkhaltige Wasser aus der Eifel eine mächtige Kalksinterschicht in der römischen Wasserleitung, die stellenweise auf eine Dicke von bis zu 0,30 Meter heranwuchs. Da die Beschaffung von feinem Marmor aus dem fernen Italien zum ausschmücken von Klöstern, Kirchen und Burgen im Mittelalter mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden war, bediente man sich an den Sinterkalkablagerungen der römischen Eifelwasserleitung als Ersatz für den mediterranen Schmuckstein.

Durch fachmännische Bearbeitung der mittelalterlichen Handwerker war dieses Material, der sogenannte >>Aquäduktmarmor<< als Ersatz für teuren echten Marmor über die damaligen deutschen Grenzen hinaus ein begehrter Baustoff. Diesen findet man heute noch in fast allen rheinischen Kirchen aus dieser Zeit, z.B. in Form von Säulen, Grabplatten, Altarplatten usw. Somit trugen auch die Kalksinterablagerungen als Marmorersatz aus dem Römerkanal zum Abriss dieses antiken Bauwerkes bei.

Ein großartiges Beispiel des Wiederverwertens von Baumaterialien der Eifelwasserleitung im Mittelalter, stellt die Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel dar. Als erstes fallen dem fachkundigen Besucher am Eingangsportal rechts und links die mächtigen Kalksintersäulen ins Auge. Geht man in das sakrale Bauwerk zeigen sich rechts und links des Altares zwei weitere große Sintersäulen, die noch ihre schöne Maserung zeigen. Des Weiteren stehen hinter dem Altar im Hochchor noch weitere kleinere Kalksinter Säulen. Die Mensa (Altarplatte) besteht aus einer großen Kalksinterplatte und ist eine der schönsten ihrer Art. Ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert, dass auf eine Kalksinterplatte gemalt wurde gehört ebenfalls zur Einrichtung der Kirche, ist aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gehen wir außen um die romanische Basilika, zeigen sich an der Nordseite zwei Türstürze des ehemaligen Kreuzganges die aus Aquäduktmarmorplatten gefertigt sind. Darüber hinaus ist in der gesamten Außenmauer der Kirche Kalksinter als Quadersteine vermauert worden. Die Kalksintersteine erkennt man sehr gut, da sie sich von dem restlichen Gestein optisch gut abgrenzen.

Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria

Gut Capellen bei Dünstekoven in der Gemeinde Swisttal (früher Kloster Schillingscapelle) ist wohl in seiner Baumasse überwiegend aus dem Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung erbaut worden. An diesem Bauwerk lässt sich nicht nur das Abbruchmaterial der Eifelwasserleitung nachweisen, sondern auch den Herkunftsort des Materials. Die konischen Tuffsteine und Handquader die an vielen Stellen zu sehen sind, stammen mit großer Wahrscheinlichkeit  von der nicht weit von hier ehemals römischen Aquäduktbrücke die das Eifelwasser über eine Länge von 1400m über das Swisttal leitete. Der wiederverwendete Tuffstein war ursprünglich die äußere Verkleidung des größten Bauwerks der römischen Wasserleitung nach Köln. Betrachtet man die Rundbögen des ehemaligen Kreuzganges, so kann man sie annähernd eins zu eins auf die Bögen der Aquäduktbrücke übertragen. Nicht nur das beschriebene Gestein ist Zeuge der Zweitnutzung des Römerkanals, überall findet man am Gutshof Reste der Wasserleitung, z.B. Gussbeton mit anhaftendem, rotem Abdichtputz (opus signinum).

Gut Capellen

Rheinbach ist eine der wenigen Städte, deren Gebiet von der Trasse der römischen Eifelwasserleitung voll durchfahren wird. Die Stadt war gegen Ende des 13.Jahrhunderts befestigt worden, wobei man die bereits bestehende Burganlage einbezogen hatte. Als Baumaterialien bevorzugte man die heimische Grauwacke und den gut erhaltenen Gussbeton der römischen Eifelwasserleitung, die unterirdisch das Rheinbacher Gebiet querte. Das wieder verwendete Baumaterial des Römerkanals finden wir in Rheinbach an zahlreichen Stellen wieder. Im Mauerwerk des Wasemer Turmes entdeckt man zahlreiche Stücke der römischen Wasserleitung wieder, an denen teilweise noch der rötliche Innenputz (opus signinum) anhaftet.  Auch die gesamte noch erhaltene Burganlage ist zu großen Teilen aus Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung errichtet worden. Am Eingang der Burg finden wir noch heute gut sichtbar große Bauelemente aus römischen Gussbeton (opus caementitium).

Burg Rheinbach

Sintergewinnung um 1887

H.Klein / Walram Schmitz

Nicht nur im Mittelalter wurde die römische Eifelwasserleitung als billiger Baustofflieferant genutzt. Auf der Abbildung rechts sieht man, dass selbst noch um 1887 Teile der römischen Eifelwasserleitung in Kreuzweingarten abgerissen wurden um die Kalksinterablagerungen als Marmorersatz (Aquäduktmarmor) zu nutzen. Vermutliche Verwendung, beim Wiederaufbau der Burg Dankwarderode in Braunschweig.


Weitere Beispiele des mittelalterlichen Steinraubs an der römischen Eifelwasserleitung in Bildform

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Säule aus Aquäduktmarmor unter einem Hilfsaltar im Aachener Dom
Altar aus Aquäduktmarmor in der Kirche St. Katharina in Kreuzweingarten
Romanisches Haus (Hürten-Heimatmuseum) in Bad Münstereifel. Hier wurde Aquätuktmarmor für die Säulen in den Fenstern verwendet.
Romanisches Haus (Hürten-Heimatmuseum) in Bad Münstereifel. Bohrkern aus der Kalksinterschicht der Eifelwasserleitung.
Romanisches Haus (Hürten-Heimatmuseum) in Bad Münstereifel. Hier wurde Aquätuktmarmor für die Säulen in den Fenstern verwendet.
Treppenstufen in der Stiftskirche Bad Münstereifel aus Eifelmarmor
Wiederverwendeter römischer Gussbeton an der Burg-Münschhausen
Römischer Gussbeton im Mauerwerk der Burgruine Hürth-Fischenich
Mauerwerk der Burgruine Fischenich mit rötlichem Innenputz (Opus signinum) der römischen Eifelwasserleitung.
Grabstein aus Kalksinter auf dem Friedhof in Mechernich/Kallmuth
Im Wohnturm der Hardtburg ist ein eindeutig zuzuordnendes Stück Kalksinter aus der Eifelwasserleitung verbaut worden.
St.Laurentius Kapelle in Niederkastenholz, Treppenstufe aus Aquäduktmarmor.
In den steinernen Torpfosten der Kirchhofmauer von St. Laurentius in Bad Münstereifel-Iversheim wurden mehrere Teilstücke aus Kalksinter (Aquäduktmarmor) verarbeitet.
St.Laurentius Kapelle in Niederkastenholz, Ruhebank aus Aquäduktmarmor in der Sakristei.
Swisttal-Odendorf, St. Peter und Paul. Sakrarium aus Kalksinter.
Swisttal-Odendorf, St. Peter und Paul. Säule aus Aquäduktmarmor.
Swisttal-Odendorf, St. Peter und Paul.Eckquader aus Aquäduktmarmor.
Swisttal-Odendorf,Zehnthaus von 1726. Im Mauerwerk des Gebäudes befinden sich Steinquader aus Aquädukmarmor.
Wasserwerk Breitenbenden. Kalsinter unter der Inschriftentafel.
Hexenturm in Walberberg. Das Hauptmaterial des Rundturms ist wieder verwendeter römisches Gussbeton aus dem durch Walberberg führenden Römerkanal.
Hexenturm in Walberberg. Stufen im Turm aus römischem Gussbeton.
St. Walburga in Walberberg. Im Mauerwerk der Kirche hat man bei der Restaurierung eine Öffnung in der Aussenwand belassen, wo wir Baumaterial aus dem Römerkanal erkennen können.
Abteikirche Maria Laach. Spätromanischer sechseckigen Baldachin über dem Altar.Die beiden vorderen Säulen stammen aus dem Aquäduktmarmor der römischen Eifelwasserleitung.
Fibergasse in Bad Münstereifel. Kalksinter im mittelalterlichen Mauerwerk.
Burg Niederkastenholz. Hier sind an vielen Stellen im Mauerwerk der Burg Steinquader aus Kalksinter zu finden.
Burg Niederkastenholz. Steinquader aus Kalksinter im Mauerwerk der Burg.
An der Wachendorfer Kapelle in der Nähe von Schloss Wachendorf wurde Kalksinter aus der Eifelwasserleitung vermauert.
Taufschale St. Katharina in alt Hürth
Taufschale St. Katharina in alt Hürth
Uhr aus Aquäduktmarmor.Befindet sich in Privatbesitz.
Vogeltränke aus Aquäduktmarmor.Befindet sich in Privatbesitz.
Flammersheim Burgmauer Horchheimer Str. Sinterkalk mit anhaftendem Dichtputz (opus signinum)
BAM-Arloff/Kirspenich, Sinterkalk in der Ummauerung der Kirche St. Bartholomäus
Sinterkalk in der alten Friedhofsmauer von Euskirchen Stotzheim
Sinterkalk in der Eckmauer des Hotel Witten in Bad Münstereifel
Sinterkalk in der Ummauerung der Kirche St. Stephanus in Euskirchen/Roizheim
Dom Paderborn. Sintersäule im zugemaueren frühgotischen Durchgang.
Dom Paderborn. Sintersäule
Essen-Werden, Schatzkammer St. Ludgerus, Sintersäulen
Essen-Werden, Schatzkammer St. Ludgerus, Sintersäulen
Braunschweig, Burg Dankwarderode. Kalksinterplatte im Rittersaal.
Hildesheim, Dom. Mariensäule mit Schaft aus Kalksinter
Hildesheim, oberer Kreuzgang. Arkade mit Säulen aus Kalksinter.
St. Pankratius (Königswinter-Oberpleis) Sintersäulen links und recht am Westportal
St. Pankratius (Königswinter-Oberpleis) Aquäduktmarmorsäulen in den Kreuzgangarkaden
St. Pankratius (Königswinter-Oberpleis) Zwei Kalksintersäulen in der Krypta.
St. Pankratius (Königswinter-Oberpleis) Aquäduktmarmorsäulen in den Kreuzgangarkaden
St. Pankratius (Königswinter-Oberpleis) Zwei Kalksintersäulen in der Krypta.
Bonner Münster: Hier wurden an vielen Stellen Säulen aus Aquäduktmarmor verarbeitet.
Bonner Münster: Säulen aus Aquäduktmarmor in der Zwergengalerie.
Bonner Münster: Die meisten Säulen an den beiden Türmen wurden aus Aquäduktmarmor hergestellt.
Grabplatte der hi. Lüfthildis aus Kalksinter in Meckenheim-Lüftelberg in der Pfarrkirche St.Peter
Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt in Juelich. Säulen aus Kalksinter der Eifelwasserleitung.
Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt in Juelich. Säulen aus Kalksinter der Eifelwasserleitung.
Swisttal-Ludendorf, Sinterkalk in der Ummauerung der Kirche St. Petrus und Paulus
Siegburg St. Servatius vier Aquäduktmarmorsäulen im Marienwinkel auf der Nordseite.
Siegburg St. Servatius vier Aquäduktmarmorsäulen im Marienwinkel auf der Nordseite.